Ist Poker wirklich ein Glücksspiel?

Die erste großangelegte Studie zum Thema Poker macht klar, dass das Pokerspiel nichts mit Lotto oder Roulette gemeinsam hat, sondern eher der Kategorie von Skat oder Doppelkopf zuzuordnen ist.

Liegt dies vielleicht am Talent, kann man sich fragen, denn man erhält ein paar Karten und die einzige Gewinnchance scheint die zu sein, dass die anderen Spieler auf den Holzweg geführt werden müssen. Bei den Spielern Skat und Doppelkopf scheint es so zu sein, dass das Können eine tragende Rolle spielt, bei Zweifeln gewinnt der Beste, zwar nicht in jeder Runde und in allen Spielen, doch dies scheint dauerhaft zu sein.

Da wird sich so Mancher fragen, wie es um das Pokerspiel bestellt ist, und man dies nicht eher den Glücksspielen zuordnen sollte, wie es beim Lottospiel oder Roulette der Fall ist. Die Klärung dieser Frage ist alles andere als leicht und auch nicht unwichtig. Wenn beispielsweise die deutsche oder die amerikanische Legislative die Palette an Pokerspielen, bei denen es um Bares geht, im Netz untersagen, argumentieren sie, dass die Tatsache, ob man nun gewinnt oder verliert, dem Zufall unterliegt.

Hat man es aber schwarz auf weiß, dass beim Pokerspiel das Glück eine eher untergeordnete Rolle spielt, dann hätten diese Gesetze keine Grundlage mehr. Zahlreiche Forscher haben sich schon vorher mit dieser Thematik auseinandergesetzt, sie stellten Simulationen via PC oder Versuche mit einer eingeschränkten Zahl von Probanden auf die Beine.

Doch um eine allumfassende Studie zu machen, hatte man einfach zuwenige Daten, was bis zuletzt der Fall war. Zwei Forscher der Universität von Chicago erhielten Zugriff auf die Daten der Poker-WM 2010. Ein bekannter ökonom und bekannter Autor analysierte zusammen mit seinem Mitstreiter die Weltmeisterschaft vom letzten Jahr, die sich aus über 50 einzelnen Turnieren zusammensetzte.

Die beiden Forscher machten unter den mehr als 33.000 Teilnehmern diejenigen aus, welche schon in der Vergangenheit auffielen, die bei den letzten WMs Erfolg hatten oder die stets auf den bekannten Bestenlisten von bekannten Magazinen und Internetseiten zu finden waren. Auf rund 700 Spieler trafen diese Voraussetzungen zu.

Wenn das Pokerspiel wirklich den Glücksspielen zuzuordnen ist, dann müssten diese Leute bei der letzten WM auch nicht erfolgreicher gewesen sein, als die anderen Teilnehmer. Die Resultate der beiden Forscher sind unmissverständlich. Die rund 700 Spieler, die als gute Spieler gelten, konnten pro Turnier durchschnittlich rund 1.200 Dollar netto mit nach Hause nehmen, die übrigen Spieler sahen 400 Dollar nicht mehr wieder.

Die 700 kamen im Schnitt, was die gezahlten Teilnahmesummen angeht, auf einen Gewinn von 30 Prozent. Der Rest hatte 15,6 Prozent im Minus und musste noch Geld drauflegen. Wenn man zwei Spieler nach dem Zufallsprinzip in beiden Gruppen aussucht und gegeneinander spielen lässt, dass wäre es zu rund 55 Prozent wahrscheinlich, dass der Spieler aus den 700 gewinnt.

Diese Summe ist nicht besonders hoch, aber der Kontext kann statistisch belegt werden. Die beiden Forscher geben einen Hinweis darauf, dass bei Managern, die im Bereich der Investmentfonds tätig sind, kein so offensichtlicher Kontext zwischen erfolgten Erfolgen und momentaner Vorgehensweise besteht.

Will man Poker, ungeachtet der neuen Beweislage, juristisch weiter als Glücksspiel betrachten, dann müsste man dies auch bei aktiv genutzten Fonds durchführen.

geschrieben am 23.11.2011 von Jessica Neumann


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