Ist Poker Glücks- oder Geschicklichkeitssache?

Das Finanzamt und die Spieler setzen sich schon lange mit der Frage auseinander, ob die Spieler von Poker Steuern zahlen müssen und ob dies überhaupt umzusetzen ist. Dabei lohnt ein Blick auf die juristische Situation. Vor Kurzem entfachte die Debatte, ob Gewinne aus Pokerspielen in der BRD steuerpflichtig sind.

Grund: Der Pokerspieler Scharf hatte gegen das Finanzamt geklagt. Dieser Prozess soll nun klar machen, ob Poker nun ein Glücksspiel ist oder in manchen Situationen als Gewerbe gelten kann. Wenn der Kläger die Sache für sich entscheiden kann und Poker als Glücksspiel gilt, dann müssen die Gewinne nicht versteuert werden. Hier ist besonders die momentane rechtliche Situation von Belang. Erstmal wird sich so Mancher fragen, ob diese Erträge überhaupt mit Steuern belegt werden müssen.

Ein Rechtsexperte, der sich auf dem Gebiet gut auskennt, sagt, dass die folgende Regelung hier greift. Die Gewinne, die aus gelegentlichem Spiel entstehen, werden nicht versteuert. Wenn man als Zeitvertreib manchmal in einer Spielbank zu Gast ist und dort gewinnt, muss man für diese Beträge keine Steuern leisten; dies unterscheidet ihn vom professionellen Pokerspieler, der Steuern zahlen muss. Der Bundesfinanzhof hat diese Tatsache nicht nur für einen Pokerspieler festgelegt. Doch es gibt keinen Anlass, warum die Justiz dies nicht auf das Pokerspiel anwenden kann.

Aber hier liegt der Hund begraben. Es ist schwierig festzustellen, ob ein Spieler auf professioneller oder auf Freizeitebene pokert. Hier hat man noch keine genauen Regelungen festgelegt. Dem Finanzamt stehen nur einige Hinweise zur Verfügung, welche bei der Einordnung helfen. Zum Einen ist dies der zeitliche Anteil des Pokerspiels an der kompletten Zeit für die Arbeit. Das Finanzamt ermittelt auch, wie oft jemand dem Spiel nachgeht (Tage, Wochen, Monate) und ob das Pokerspiel als hauptsächliche Einnahmequelle anzusehen ist. Hierbei spielen auch die Spieleinsätze eine Rolle und auch, ob man mit der Absicht spielt, einen Gewinn zu machen.

Wenn eine Person aufgrund dieser Voraussetzungen als professioneller Spieler beurteilt wird, dann gilt er als Freiberufler. Dies führt bereits zur nächsten Schwierigkeit, da man hier nicht nur auf den endgültigen Gewinn Steuern leisten muss, sondern es werden auch Spesen betrieblicher Natur angerechnet und hiervon abgezogen. Dies will sagen, dass Profispieler die Ausgaben im Bereich der Teilnahmegebühren und für Hotels und Reisen anbringen können. Doch in der Praxis ist dies nicht so einfach.

Kosten für Reisen und Hotels können recht einfach geltend gemacht werden, doch bei den Teilnahmegebühren sieht die Sache anders aus. Grund: Nicht alle Spielstätten geben Belege und zudem akzeptiert das Finanzamt diese nicht immer. Ein Anwalt, welcher schon lange Mandanten in Sachen Glücksspielrecht betreut, erklärt, dass die Teilnahmegebühren nicht leicht zu belegen sind, da es nicht feststeht, dass Spielstätten Belege hierzu geben.

Auch im Bereich der Spiele um Geld ist es nicht einfach, Ausgaben in jeder Form zu belegen. Die Ermittlung des gemachten Ertrags beim Spiel um Geld ist sehr schwierig, da sich der Spieler jeden Gewinn und Verlust dokumentieren lassen müsste; dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu bewerkstelligen. Damit geht diese Vorgabe zu Lasten dieser Spieler, da jeder, der etwas geltend machen will, dies auch nachweisen muss.

Im Rahmen der Pokerwettkämpfe ist die Strategie des Finanzamts auch alles andere als unumstritten, da momentan lediglich Pokerveranstaltungen einkalkuliert werden, welche auch Gewinne bringen. Dies läuft den gesetzlichen Regelungen zuwider, denn wenn die Gewinne unter die Steuern für Einkommen und Gewerbe fallen, dann soll man auch Gelegenheit dazu haben, Verluste anzubringen.

Der betroffene Spieler hat die Pflicht, nachzuweisen, dass die angebrachten Gewinne nicht wahr sind; eine Absurdität. Es geht aber noch weiter. Wird Poker mit einer gewerblichen Absicht betrieben, dann fällt es nicht mehr unter die Glücksspiele. Wenn das Gericht denkt, dass Poker den Geschicklichkeitsspielen zuzuordnen ist, dann bestehen die Betreiber der virtuellen Pokerportale sicher darauf, dass ihr Gewerbe erlaubt wird.

Außerdem sind noch ein paar Fragen ungeklärt, beispielsweise was geschieht, wenn ein Spieler im Netz mithilfe eines "Satellites" die Qualifikation für einen Livewettkampf erhält. Man fragt sich, ob lediglich die Ausgaben für das "Satellite" angerechnet werden oder auch die gesamte Teilnahmegebühr enthalten ist.

Noch ein besonderer Fall ist die Veräußerung von "Shares". Mittlerweile ist es an der Tagesordnung, dass professionelle Spieler Anteile der Teilnahmegebühr und daraus resultierende Erträge an andere Leute weiterleiten; somit geht die Varianz nach unten. Auch hier stellt sich die Frage, ob Abgaben anfallen oder ob die Investoren hier Glücksspiel praktizieren. Die momentane juristische Situation ist alles andere als deutlich und es ist Eile geboten, dass zweifelsfreie Sachverhalte entstehen.

Das Finanzgericht in Köln muss nun ein Urteil darüber fällen, ob der Gewinn beim Pokerspiel dem Glück oder Talent geschuldet ist. Herr Scharf möchte belegen, dass Poker zu den Glücksspielen gehört. Ist dies der Fall, dann müssen keine Steuern auf die Gewinne entrichtet werden. Das Finanzamt denkt ganz anders darüber. Ein Sprecher erklärte, dass der Pokerspieler individuelle Kenntnisse und ein breiteres Verständnis des Spiels anwendet und sich nicht nur auf sein Glück verlässt.

Der Prozess wird als Musterverfahren angesehen und eine Richtung vorgeben. Herr Scharf streitet hierbei nicht nur in eigener Sache, sondern für jeden Profispieler in der BRD. Aus diesem Grund sollte er die 100prozentige Hilfe der Pokergemeinde erhalten.

Der Richterspruch wird noch 2012 erfolgen.


geschrieben am 31.08.2012 von Jessica Neumann


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