Bewerten Sie Ihr Blatt nach dem Flop richtig - Teil 2

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In den meisten Fällen ist das Zählen von Outs nicht so einfach. In vielen Fällen werden Sie Karten haben, die Ihr Blatt verbessern werden, aber nicht zu dem Nuts reichen. Nehmen wir z.B. König Kreuz und Dame Kreuz als eigenes Blatt. Im Flop und Turn sind folgende Karten gekommen: 10 Herz, 9 Kreuz, 3 Herz und 5 Pik. Jetzt haben Sie zwar vier Buben, die Sie im River zum Straight bringen können. Aber der Bube Herz bringt das dritte Herz als Gemeinschaftskarte und damit könnte jemand anderer einen Flush (fünf Karten einer Farbe) bekommen, was höher als Ihr Straight sein würde. Zusätzlich zu den Buben wird jeder König und jede Dame Ihnen das höchste Paar bescheren. Das höchste Paar wird Ihnen oft zum Sieg reichen, aber viele mögliche Blätter sind stärker. Wenn ein König kommt, könnte jemand anderes Dame und Buben haben, und damit ein Straight komplettieren. Das Blatt König und 10 eines anderen Spielers würde sich zu zwei Paaren verbessern. Wenn der König ein Herzkönig ist, könnte ein anderer wieder ein Flush haben. Zusammengefasst haben Sie also in diesem Beispiel drei Outs für das bestmögliche Blatt (drei Buben), ein Out zu einem möglichen starken Blatt (Bube Herz), und sechs weitere Outs zu einem möglichen Gewinnerblatt (drei Damen und drei Könige). Karten, die Ihre Hand verbessern, aber nicht in einem Nuts resultieren, werden Teil-Outs (engl. partial outs) genannt. Im bestimmten Prozentsatz aller Fälle werden diese Teil-Outs Ihnen das beste Blatt geben. Wenn Sie Outs zählen müssen Sie Teil-Outs korrekt werten. Wenn Sie Teil-Outs als volle Outs werten, werden Sie Ihr Blatt überbewerten. Wenn Sie die Teil-Outs gar nicht zählen, werden Sie Ihr Blatt unterschätzen und oft vorzeitig aussteigen

Die wichtigste Aufgabe von Ihnen ist jetzt die Outs und Teil-Outs in eine Zahl zu bringen, um Ihnen eine Übersicht zu geben, wie viel Ihr momentanes Blatt wert ist. Um dem vorherigen Beispiel zu folgen, dürfen Sie sich für dieses Blatt drei volle Outs für die drei Buben anrechnen. Der Herz Bube gibt Ihnen etwas weniger als ein volles Out wegen der Gefährdung durch einen gegnerischen Flush. Die drei Könige und drei Damen geben Ihnen jeder etwas weniger als ein halbes Out und zusammen dürfen Sie diese als zwei bis drei Outs werten. Insgesamt haben Sie also etwas weniger als sieben Outs bei dieser Spielsituation.

Wenn ein Out wahrscheinlich einen geteilten Pot verursacht, weil Sie das gleiche Blatt wie ein anderer Spieler haben könnten, sollten Sie solche Outs als ein halbes Out werten. Ein häufig vorkommendes Beispiel ist die Gefahr, dass ein anderer genauso wie Sie ein As hält. Sie haben beispielsweise das Blatt As Herz, 8 Kreuz und beim Flop und Turn sind König Kreuz, Dame Karo, Bube Herz, und 6 Pik gekommen. Mit einer 10 machen Sie die Straight, jedoch auch jemand anderes mit einem As auf der Hand.

Nach dem Flop, wenn noch zwei Karten durch den Turn und den River aufzudecken sind, werden Sie häufig noch sogenannte Backdoor-Draws (Möglichkeit durch die Hintertür) haben. Bei einem Backdoor-Draw benötigen Sie passende Karten, sowohl im Turn als auch beim River. Ein typischer Backdoor- Draw wäre, wenn Sie zwei Karten einer Farbe halten und im Flop ist ebenfalls eine Karte dieser Farbe. Sie würden jetzt im Turn und im River Karten mit der selben Farbe benötigen, um sich zu einem Flush zu verbessern. Wie Sie sicherlich vermuten, haben Backdoor-Draws nicht viel Wert, wenn Sie alleine vorkommen. Aber wenn das Blatt schon stark ist oder es noch genügend andere Outs gibt, vergrößern Backdoor-Draws den Blattwert. Das oben angeführte Backdoor-Flush-Draw dürfen Sie aus statistischen und spieltaktischen Gründen als 1,5 Outs werten. Ein Backdoor-Straight-Draw werten Sie in Abhängigkeit von der Anzahl der Lücken. Haben Sie keine Lücken, wie etwa bei Bube, 10, 9, haben Sie ungefähr den gleichen Wert wie ein Backdoor-Flush-Draw also anderthalb Outs. Bei einer Lücke wie bei Bube, 10, 8 können Sie das Blatt mit einem zusätzlichen Out werten. Bei zwei Lücken (Bube, 10, 7) ist Ihr Blatt ein halbes Out mehr wert.

In vielen Fällen werden Sie mehrere schwache Outs haben. Insgesamt kann es sich dadurch um ein relativ starkes Blatt handeln. Ubersehen Sie solche Blätter nicht. Sie haben beispielsweise Bube Kreuz, 10 Kreuz auf der Hand und der Flop zeigt 9 Kreuz, 5 Karo, 2 Pik. Sie haben damit zwei höhere Karten (sechs mal 0,5 Out), ein Backdoor- Flush-Draw (1,5 Out), Backdoor-Straight-Draw ohne Lücken (1,5 Out). Zusammen haben sie damit nicht zu unterschätzende sechs Outs. Auch hier müssen Sie wieder Ihre Position am Tisch berücksichtigen. Sind hinter Ihnen keine oder wenige Spieler, die zum Zug kommen werden, und Sie müssen nur einen Einsatz setzen, können Sie solche Blätter eher spielen. Bei einer frühen Position lohnen sich solche Karten meistens nicht, da nach Ihnen eine Erhöhung eines nachfolgenden Spielers wahrscheinlich ist. Das Spielen solcher Blätter ist dann nicht mehr profitabel.

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